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Kermit’s Paradies im Naturreservat „Las Brisas“

7. November 2017

Von Isabel hatten wir zu Beginn unserer Reise den Tip bekommen, doch unbedingt mal im Naturreservat „Las Brisas“ vorbeizuschauen, unweit von Turrialba. Und da wir nach unserem Aufenthalt an der Rio Pacuare Mündung sowieso einen flexiblen Tag hatten, sind wir von Batan nach Siquirres gereist und haben dort spontan im Hotel Pacuare eingecheckt. Isabel schwärmte vom Froschreichtum und der Artenvielfalt im Reservat und hatte uns die Telefonnummer von Carlos gegeben, der sich um das Reservat kümmert. Mit ihm haben wir dann eine Nachtwanderung verabredet. Und Isabel sollte Recht behalten, es war fantastisch.

Auf ca. 1000 m Höhe erstreckt sich ein 200 ha grosses Areal mit Anschluss an die Wälder des Vulkans Turrialba und dem angrenzenden Braullio Carillio Nationalpark. Kein Mensch in Siquirres, inklusive unserem Taxifahrer, kannte Las Brisas. Ein echter Geheimtipp also. Und so rumpelten wir eine schlechte Strasse bei sich verschlechternder Miene unseres Taxifahrers Gilberth den Berg hinauf. Dort begrüsste uns Carlos gleich sehr freundlich und ab ging es in Gummistiefeln durch den nächtlichen Wald. Nach nicht mal 10 Metern schlängelte eine Baumnatter (Plain Blunted Tree Snake) über den Weg. Man kann an ihren riesigen orangenen Augen erkennen, dass sie für die Nacht geschaffen ist (siehe Foto). Und ihre Hauptbeute sind Frösche, welch Zufall….

Es quakte von allen Seiten und Carlos kannte natürlich die speziellen Plätze seiner Pappenheimer. Und all ihre Namen…. Und so kamen wir in den Genuss vieler verschiedener Arten. Zum Beispiel dem sehr seltenen Lemur Laubfrosch, der nur noch an ganz wenigen Plätzen in Costa Rica vorkommt. Wissenschaftler haben kürzlich herausgefunden, dass in der Haut des Frosches Peptide enthalten sind, die gegen Bakterien, Diabetes und Krebs wirksam sind. Mit dem Verschwinden solcher Tierarten gehen auch solche wichtigen Informationen zur Behandlung schwerer Krankheiten verloren. Interessant ist auch, dass dieser Frosch je nach Tageszeit seine Hautfarbe von grün (tagsüber), über gesprenkelt zu braun (nachts) wechselt und ist so immer passend getarnt….

Wenn Laubfrösche, wie der Rotaugen-Laubfrosch, sich paaren, ist das für das Weibchen immer Schwerstarbeit. Ist sie auf den lautesten Quaker „reingefallen“, trägt sie den Burschen vom Baum huckepack nach unten in den Tümpel und füllt ihre Blase mit Wasser. Dann kraxelt sie mit ihm auf dem Rücken wieder hoch und legt an einem Blatt 20-50 Eier. Diese werden manchmal nicht nur von ihrem Huckepack-Mann sondern auch von Fremdgängern befruchtet. Die Quappen haben also oft viele Väter. Dann geht’s wieder in den Teich und zurück, 5-6 mal hintereinander, und jedes Mal werden 20-50 Eier drapiert, aus denen dann die Kaulquappen schlüpfen. Diese fallen in den Teich und nach wenigen Wochen klettern sie mit einem Schwänzchen, quasi als Babys, wieder die Blätter hoch (siehe Foto).

Aber es gab noch viel mehr Arten wie zum Beispiel den kleinen, durchsichtig grün schimmernden Glassfrosch mit seinen „Kermit“ Augen. Seine Haut ist so transparent, dass selbst seine Organe und Knochen gut zu erkennen sind, wenn man ihn auf den Rücken dreht. Auch das ist eine Form der Tarnung wenn man halb durchsichtig ist. Oder wenn man sich quasi in NATO Tarnfarben in den Bäumen versteckt, wie der Masken-Laubfosch. Auch den extrem seltene Kronen Baumfrosch (Anotheca spinosa) haben wir entdeckt, für den Amphibienliebhaber in Europa ein Vermögen hinblättern. Häufiger ist dann schon der Ochsenfrosch, der so gross wird, dass er auch mal ein Vogelküken verspeist. Oder andere Fröschchen….

Plötzlich sind wir auf eine gewaltige Ameisenstrasse gestossen, auf der es nur einen sehr schnellen Strom von rechts nach links gab. Bei näheren Hinschauen sahen wir, dass jede Ameise eine Larve oder ein Ei trug. Sie hatten offenbar eine bessere Futterstelle ca. 1 km entfernt gefunden und zogen mit Kind und Kegel um. Sowas ist natürlich ein Festschmaus für ameisenfressende Vögel wie den Zweifarben-Ameisenfresser oder den Ameisen-Pitta, die allerdings tagaktiv sind und an diesem Abend selig im Geäst vor sich hin schlummerten…

Wir lernten auch den Besitzer Eric (Amerikaner, Farmer und Naturliebhaber) kennen, der dieses Naturparadies erhalten hat. Da er mit Las Brisas ähnlich wie Tropica Verde mit der Finca Curré einen biologischen Korridor seit über 30 Jahren erhalten konnte, haben wir über mögliche Synergien und engeren Erfahrungsaustausch in der Zukunft diskutiert. Während unseres Aufenthalts waren auch Teilnehmer eines weltweiten tropenökologischen Kongresses, absolute Vogelspezialisten, vor Ort und haben den Wald fachmännisch erkundet. Sie waren gleichfalls begeistert von der Fauna. Und zwei haben uns zum Besuch eines Naturreservats in Nicaragua eingeladen. Werden wir wohl erst beim nächsten Mal schaffen… Zum Abschluss machten uns diese Experten noch auf einen sehr schwer zu findenden Vogel aufmerksam, den Grossen Potoo. Es ist ein grosser Nachtfalke mit grosser Klappe und eingebautem Radar, ähnlich wie bei Fledermäusen, mit dem er seine Beute ausfindig macht und jagt. Wir fanden ihn auf der Spitze eines abgebrochenen Baumstamms drohnen.

So, nun wünschen wir euch wie immer viel Spass beim Anschauen von Kermit & Co…..

Fortsetzung folgt…..