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Kolibris – die bunten Frühaufsteher im Regenwald

30. Oktober 2017

Nach unserer Nachtwanderung durch den Regenwald habe ich nur kurz geschlafen, denn am „One World“ Haus nahe am Wald war schon am Morgen früh los. Vor dem Haus stehen nämlich viele Blüten tragenden Bäume und die ziehen Kolibris magisch an. Über Kolibris gibt es eine Menge zu erzählen, sie sind nicht nur super schnelle und wendige Flieger, sondern sind ideal an die tropischen Bedingungen angepasst.

Wenn die Kolibris morgens losfliegen, um auf Futtersuche zu gehen, haben sie gar nicht wirklich geschlafen sondern waren über Nacht so zu sagen auf „Standby“ Modus. Das heisst, sie haben über Nacht ihren Stoffwechsel und ihre Körpertemperatur heruntergefahren, um Energie zu sparen. Aber nur soweit, dass sie jederzeit fliehen können, wenn ein Angreifer kommt. Quasi ein Mini-Winterschlaf über Nacht….

Trotzdem wurde natürlich auch nachts Energie verbraucht und die gilt es aufzufüllen. Im bekannten Schwirrflug halten sie vor den für sie passenden Blüten-Tankstellen. Und jeder Kolibri hat seine ganz spezielle Tankstelle, denn Blütenform und Schnabelform müssen perfekt zusammen passen, um an den begehrten Nektar zu kommen. Das erklärt auch die grosse Artenvielfalt und die verschiedenen Schnabelformen, denn alles funktioniert nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Dennoch gibt es eine Menge Rauferein um den gleichen Baum, denn Kolibris sind sehr territorial. So winzig sie sind, so stark können sie sicht fetzen wenn es um „ihre“ Stammtankstelle gilt. Und durch ständiges Rufen machen sie auf ihr Territorium aufmerksam. Ich hatte mal beobachtet, wie ein Kolibri jeden morgen um die gleiche Uhrzeit auf einen rostigen Spiegel losging, weil er sein Spiegelbild als Gegner ausmachte und mit dem Schnabel auf den Spiegel hackte. Davon wurde ich dann immer wach….

Die Kolibris sind auch die ersten Tagtiere, die frühmorgens im Regenwald unterwegs sind. Warum? Ganz einfach, die Bäume in den Tropen produzieren auch in der Nacht süssen Nektar und wer zuerst kommt, mahlt zu erst. Somit sind sie noch vor allen anderen Vögeln und vor allem den Insekten unterwegs, die erst rauskommen, wenn es ein bisschen Sonnenwärme gibt. Bis dahin haben die Kolibris schon gefrühstückt, hocken irgendwo satt auf einem Ast und pflegen ihr Federkleid. Dann können auch die Schmetterlinge an den Blüten andocken.

Durch das Nektarsaugen erfüllen Kolibris eine zusätzliche wichtige Funktion im Regenwald, nämlich das Bestäuben. Wer die tropischen Wälder genauer betrachtet, dem fällt auf, dass viele Blüten rot sind. Ganz im Gegensatz zu unseren Wiesen und Wäldern in Europa. Rot ist keine gute Farbe für Insekten, denn sie können es schlecht erkennen. Für Bienen fällt rot ganz aus deren Farbspektrum. Aber rot kann sehr gut von Vögeln wie den Kolibris erkannt werden, und so sind sie neben Fledermäusen die wichtigsten Bestäuber.

Wie ihr seht, haben es mir die Kolibris angetan und ich könnte noch stundenlang über die tollen Flieger philosophieren. Aber zwischenzeitlich werde ich von rufenden Tukanen, krächzenden Papageien und anderen schrillen Vögeln abgelenkt, die ich versuche, vor die Linse zu bekommen. Ein paar Eindrücke von Kolibris und Tukanen unten…..

Fortsetzung folgt…..