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Nachts im Regenwald von „Las Brisas“

30.11.-3.12.2018

Am 29.11. ist mein Freund Martin, seines Zeichens stellv. Vorsitzender von Tropica Verde, in San José gelandet. Gemeinsam haben wir weitere Tropica Verde Projekte besucht und auch der Universität de Costa Rica in San José einen Besuch abgestattet.

Am 30.11. trafen wir uns mit dem Biologen Hersson Ramirez Molina, der 2018 eine populationsgenetische Untersuchung an den Grossen Soldatenaras durchgeführt hat. Für diese Arbeit hat er zahlreiche Nistplätze der Aras im Norden Costa Ricas besucht und dort Feder- und Kotproben der Aras gesammelt. Dabei konnten 80 einzelne Individuen differenzierte werden. Eine wichtige Erkenntnis war, dass alle Individuen in Costa Rica einer einzigen identischen Population entstammen. Inwieweit sich diese von anderen Populationen, z. B. in Nicaragua unterscheidet, muss noch geklärt werden. Die Arbeit ist auf jeden Fall ein wertvoller Bestandteil des Ara Monitorings in Costa Rica da darüber auch Migrationswege und Flugrouten identifizierbar sind, über die man noch wenig weiss. Die Methode könnte zukünftig synergistisch mit den Zählungen der Aras mittels Monitoring der Nistplätze und der Übernachtungsplätze kombiniert werden. Somit ein weiterer wichtiger wissenschaftlicher Baustein für das Verständnis der Ara Verbreitung und ihrem Schutz!

Bevor wir uns dann mit dem Ara Spezialisten Alex Gonzalez von der CCT (Centro Cientifico Tropical) getroffen haben, sind wir noch in das Naturreservat nach „Las Brisas“ bei Siquirres gefahren. Nachdem Michael und ich bereits in 2017 dort waren und von dem Besitzer Erick Berlin erfahren hatten, dass auch dort gelegentlich die Grossen Soldatenaras gesichtet wurden, wollten Martin und ich neueste Erfahrungen austauschen. Und ausserdem wollten wir bei ausführlicheren Nachtwanderungen mit dem lokalen Guide Carlos seltene Tierarten aufspüren und fotografieren.

Erick hat uns netterweise bereits früh am Morgen empfangen. Er hat uns seine umfangreiche naturwissenschaftliche Bibliothek vorgeführt und uns seine Erfahrungen mit den Grossen Soldatenaras geschildert. Seit ca. 10 Jahren fliegen Trupps von bis zu 40 Aras an den Rand seiner Zierpflanzenplantage auf ca. 250 m Höhe. Dort lassen sie sich in den sehr stachligen Jabillos (Sandbüchsenbäume) nieder und fressen deren Früchte. Er kann mit dem Teleskop beobachten, wie die Aras von der Küste Tortugueros die mehr als 50 km bis in sein Gebiet fliegen, eindrücklich! Etwas höher, im Bereich seines Naturreservats „Las Brisas“, übernachten sie dann und fliegen am nächsten Tag frisch gestärkt zurück. Eine wichtige Beobachtung auch für unser Lapa Verde Projekt mit der CCT und unserem späteren Treffen auf Yatama mit Alex. Es zeigt, dass die Migration der Aras ausserhalb der Brutsaison mittlerweile schon bis recht weit südlich reicht.

Erick ist hauptberuflich Farmer für Zierpflanzen und hat ein grosses Faible für die Natur und deren Erhalt. Oberhalb seiner Plantage hat er auf rund 700 m Höhe eine mehr als 200 ha grosse Waldfläche, „Las Brisas“, mit einzigartiger Artenvielfalt geschützt. Ein echter Biodiversitäts-Hotspot! Diese wird immer wieder von Wissenschaftlern aus aller Welt besucht um seltene Arten zu entdecken und zu erforschen. Nachdem wir gemeinsam mit Erick die Zierpflanzen-Plantage und die Fressbäume der Aras dort besucht haben, sind wir weiter oberhalb ins Naturreservat gefahren.

Bereits der Beobachtungsplatz am Rand des Las Brittas Walds ist ein schöner Spot für Vogelliebhaber. Zahlreiche Kolibri-Arten wie der Weissnackenkolobri oder der Grüne Schattenkolibri (Green Hiermit) sind zu beobachten. Letzterer zeichnet sich durch einen sehr langen gekrümmten Schnabel aus, mit dem er selbst sehr lange Blüten wie Helikonien besuchen kann. Die verschiedenen Kolibris sind auch unten in den Bildern dargestellt.

Bei Anbruch der Dunkelheit sind wir dann mit Carlos losgezogen, einem zoologisch sehr kompetenten Mitarbeiter von Erick, um die Geschöpfe der Nacht aufzuspüren. Dabei entdeckten wir an diesem Abend unzählige Formen und Arten der Stabheuschrecken und Gespensterschrecken, meist super getarnt. Könnt ihr das lange grüne Insekt auf dem Blatt entdecken? Wirklich nicht einfach… Auch nachtaktive Säugetiere wie das Opossum sowie die unterschiedlichsten Amphibienarten sind uns begegnet. Besonders fasziniert haben uns der seltene Splendid Treefrog (Cruziohyla calcarifer) auf dem Titelbild mit seinen fantastischen orange-grünen Färbungen oder auch die verschiedenen Arten der Glasfrösche, die fast durchsichtig sind. Ganz schwierig zu entdecken sind die winzigen, nur 3-5 cm grossen Teichsalamander, die Carlos auf Wasserpflanzen aus den Gewässern von Las Brisas gefunden hat. Etwas einfacher sieht man schlafende Basilisken oder Vögel wie die verschiedenen Trogone. Und natürlich erlebt man hier das ganze Repertoire des Täuschens, Tricksens und Tarnens der Regenwaldtiere. So haben wir selbst nachts beobachtet, wie sich bunt gefärbte Käfer tot stellen (lassen sich fallen und legen sich wie ein „toter Mann“ auf den Rücken…), wenn man ihnen zu nahe kommt. Oder wie sich Blattschrecken (wandelndes Blatt) eng an den Untergrund schmiegen, um nur noch ihre Blattform darzustellen. Bessere Tarnung gibt’s kaum…. Aber die ist auch notwendig angesichts der zahlreichen Jäger wie die handtellergrossen Jagdspinnen und die verschiedenen Baumfrösche mit ihren hervorragenden Nachtsicht-Augen….

Ich wünsche euch wie immer viel Spass beim Bilder schauen und bis zum nächsten Blogbeitrag,

Stefan

Zahlreiche Fotos auch zu meiner letzten Reise in die Regenwälder Costa Ricas in 2017 findet ihr unter https://www.faunity.ch/category/regenwald-schutz-costa-rica/

Viel Spass beim Lesen, Betrachten und Stöbern!

Stefan

2018-12-17T20:14:11+00:00

2 Comments

  1. Tina Porzelt 21. Dezember 2018 um 12:00 Uhr - Antworten

    Lieber Stefan,
    immer wieder bin ich fasziniert und begeistert, wie du es schaffst, deine Motive so brilliant in Szene zu setzen.
    Es ist ein ästhetischer Hochgenuss sie anzuschauen und sich in diese Welt zu träumen. Hut ab vor deinem Engagenment einen Beirtag zu leisten um sie zu retten.
    Danke dafür.
    Gruß, Tina

    • Stefan Rother 21. Dezember 2018 um 19:54 Uhr - Antworten

      Liebe Tina,
      danke! Naja, die „Fotomodels“ sind schon ziemlich kamerascheu und es hilft auch nicht, wenn man als Fotograf parallel von Ameisen und Moskitos genervt wird und plötzlich ein Tropenschauer runterkommt…. Aber es macht total Spass im Regenwald zu sein und immer wieder was neues zu entdecken. Und manchmal klappt’s ja auch mit dem Foto… :-))
      Liebe Grüsse, Stefan

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